Wer in den 80ern die Schulbank gedrückt hat erinnert sich auf jeden Fall an diese seltsamen Bögen Papier die vom Lehrer oft am Anfang einer Unterrichtsstunde an die Schüler verteilt wurden. Sie waren meist mit der Schreibmaschine getippt oder auch handgeschrieben, sahen dafür aber sehr verschwommen aus. Sie hatten immer diese bläulich-violette Farbe, das Papier fühlte sich sehr weich an und sehr oft rochen diese Bögen wenn sie frisch waren sehr intensiv. Den Herstellungsprozess haben wir nie gesehen und ich habe mich immer gefragt wie sie das gemacht haben. Ich erinnere mich noch genau an dieses leicht gelbliche Papier, mit der unscharfen blau-violetten Schriftfarbe und dem unverwechselbaren Geruch nach Lösungsmittel.
Des Rätsels Lösung ist der “Matritzendrucker” (auch bekannt als Spiritusdrucker oder Blaudrucker), das Verfahren wird “Hektographie” genannt. Mit dem Matrizendrucker kann man recht kostengünstig eine begrenzte Anzahl von Abzügen von einem speziell angefertigten Original – der Matrize – herstellen. Er wurde seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Verwaltungen, Schulen und Bildungseinrichtungen verwendet. Eine weite Verbreitung bestand bis Ende der 1970er Jahre, Mitte der 1990er Jahre wurden die Matrizendrucker jedoch zunehmend durch den weit verbreiteten Einzug der Fotokopiertechnik verdrängt.
Diese Matrizen zu vervielfältigen war relativ viel Arbeit. Vor dem Druck muss zuerst eine Druckvorlage angefertigt werden, die Matrize, auch: Spiritusmatrize. Sie ist ein stärkeres (120–150 g/m²), glattes (gestrichenes) Blatt Papier, das an den druckenden Stellen mit der abzugebenden Farbe beschichtet wird. Dazu legt man das Blatt auf eine spezielle Folie, die ähnlich wie Kohlepapier funktioniert, und schreibt oder zeichnet. Allerdings wird der Durchschlag nicht auf ein neues Blatt geschrieben, sondern auf die Rückseite des zu beschreibenden Papieres. Diese Kopie ist somit spiegelverkehrt und dient als Vorlage für den Druck. Die Beschichtung der Folie besteht aus einem speziellen, alkohollöslichen Wachs, und durch den Druck des Schreibens bleibt diese auf der Rückseite des Papiers haften. Durch Wechsel der Folien kann man mehrfarbige Matrizen herstellen.

Die Matrize wird auf eine Trommel gespannt und man muss diese dann kurbeln, kurbeln, kurbeln bis man genügend Kopien beisammen hat. Unter der Trommel wird das zu bedruckende saugfähige Papier hindurchgezogen, nachdem es hauchdünn durch einen feinporigen Schwamm mit Spiritus benetzt wurde (daher auch der intensive Geruch). Der Alkohol löst winzige Partikel von der Matrize, und das zu bedruckende Papier nimmt diese auf – ein Abzug entsteht. Von der Matrize wird dabei bei jedem Durchgang ein wenig Wachsfarbe entnommen.
Da haben sich unsere Lehrer aber richtig viel Arbeit gemacht und wir uns gefreut dass wir was zum Schnüffeln hatten ![]()








